Vivian Glade

Magie

So. Puh. Nun ist es also geschafft: Nach einem Jahr richtig viel Arbeit, wochenlangem Zittern und noch mehr Beten ist sowohl das Musical auf die Bühne gekommen als auch das Album (bzw. "die Alben") draußen und käuflich erwerbbar (www.pkupk.de):

"Prima Klima - Unprima Klima" hat seine Premiere im TiF gefeiert und 2 Tage vorher vor geladenen Gästen in der Wilhelm-Raabe-Schule, wo es so manches Wiedersehen gab, unter anderem mit Ex-Choreographin Jola, die auch gleich noch Fraukes Gast für eine Nacht wurde (weil die beste Freundin arbeiten musste). Das war schon echt nett, aber... Nicht zu vergleichen mit den Aufführungen im TiF, denn da spielte sich der Chor frei. Da wurde aus gelangweilten Chorsängern plötzlich ein ganzer Haufen quakender Frösche, jeder in noch so kleiner Rolle spielte, als ginge es um alles und somit wurde schon die 15-Uhr-Vorstellung schön.



Aber die 20-Uhr-Vorstellung toppte alles. Das Publikum (das Beste, das wir haben konnten!!!!) hatten wir vergessen, es fühlte sich an, als spiele man ein Spiel und nicht Theater, es machte nur noch Spaß. Fröschlein wurden "gefressen", ein Paddel mit Erdnussflips brachte die Leute zum Lachen und Arro, unser Füchslein (alias Julian) schaffte es, den sonst schon höchst amüsanten Paddel (alias Philip) glattweg noch an die Wand zu spielen - und das heißt wirklich was. Plümmi und Netti spielten besser als je zuvor (und das, wo unsere Plümmi-Jo keine 5 Minuten vor Beginn der Vorstellung noch bitterlich geweint hatte und wir schon überlegten, ganz schnell die Zweitbesetzung auf die Reise zu schicken), Onkel Hlono alias Martin war besser als je zuvor und spielte sich komplett frei (und das war auch ein geiler Onkel Hlono). Frank Kirklin alias Marvin schaffte es, dass seine eigene Familie ihn erst erkannte, als er den Mund aufmachte (und vor Lachen schon nicht mehr zuhören konnte), während die Frösche hinten... Die waren der Hammer. Ganz ehrlich: Wie toll mag es sein, einer von ca. 20 Fröschen (oder Fledermäusen oder Waldtieren) zu spielen...? Offensichtlich musste man da aber keine Sprechrolle kriegen, um Publikum, Hauptdarsteller und mich so an den Lachmuskeln zu kitzeln, dass ich ein paar Mal in meinem Eulenbaum verschwinden musste, um nicht los zu brüllen... Königlich! Publikum war plötzlich nicht mehr relevant, weil es nur noch Spaß machte, und dadurch ...

Dadurch wurde es magisch. Und wie. Und ich glaube, das haben die Leute im Publikum gemerkt. Der Chor sang besser als je zuvor, spielte für meine unwissenden Begriffe sensationell und mit so viel Spaß... Frauke und ich haben das alles beobachtet - sie vom Erzählersessel vor der Bühne, ich im Eulenbaum, und ich glaube, ihr ging es exakt genauso wie mir: Wir sahen, wie das, was wir ein Jahr lang kreiert, bearbeitet und heimlich erhofft hatten für alle, wahr wurde. Onkel Hlono und seine Welt begannen zu leben und übernahmen die Herrschaft über 70 Minuten im TiF.

Ohne einen Ferhat Bouhaddi, der Musiklehrer an der Wilhelm-Raabe-Schule in Bremerhaven ist, und ohne einen Schul"direx" Jochen Schlegel, die Probenmöglichkeiten und vorallem das technische Knowhow der Schule wäre das nie so geworden, aber vor allem Ferhat und seine eigene Begeisterung und sein Wissen haben da riesengroßen Anteil. Wahnsinn - und das als Lehrer, ohne einen Cent zusätzlich zu bekommen. Ich kann nur hoffen, dass die Kooperation zwischen Glad(E)makers und Schule noch intensiver wird und wir das zurück geben können. Ich bin ja schon privat sehr angetan von der Arbeit dieser Schule: Seitdem geht mein Kind nämlich gern in den Unterricht. Aber so viel Engagement ist tatsächlich höchst selten. Ein Glücksfall für eine Kreative wie mich.


Wir alle wissen, dass das Musical des Themas wegen nie ausverkauft sein wird. Wir wissen, wir werden alle damit nicht reich. Wir wissen, die Hörspiele und Soundtracksongs werden keine Charts der Welt stürmen und viele interessiert schlicht auch das Thema nicht. Auch die ersten Neider pöbeln bereits - so auf der Nordseezeitungsseite (Region/ Wissen und Kultur/ Kommentare), aber kein Neider, kein halbvolles Haus und auch die wackligen Finanzen des Vereines kommen nicht gegen die Tatsache an, dass DAS, was wir da am Sonntag Abend im TiF auf der Bühne erleben durften (zumindest was ICH erleben durfte, ich kann ja nicht für alle sprechen), uns niemals mehr zu nehmen ist.


Ich möchte weder für erhobene Zeigefinger noch für Heile-Welt-Getue bekannt werden. Ich möchte, dass meine Sänger auch in anderen Chören und Gruppen aktiv sind, dass sie lernen, Konflikte fair und konstruktiv auszutragen, und dass sie lernen, mit excellenter Qualität zu wuchern. Denn DIE ist es, die uns das bringt, was wir brauchen, um anderen zu helfen. Und nicht zuletzt diese Magie, von der ich sprach, die ist es doch, die ganz viel "Gladmakendes" hat:

Wir können damit Menschen anderthalb Stunden lang aus ihrem Trott reißen. Anderthalb Stunden haben sie einfach gar keine Zeit mehr, an motzende Chefs, nörgelnde Kinder, drohende Rechnungen und andere Widerwärtigkeiten zu denken. Anderthalb Stunden ist die Einsamkeit vergessen, die Resignation und die Hoffnungslosigkeit. Dafür wurde ordentlich gelacht und gestaunt und geweint.

Und DAS IST, was ich will. Ich weiß sehr wohl, was manche denken, aber das ist, was ich immer wollte: Eben Magie.

24.11.09 00:17

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