Vivian Glade

Das ist tatsächlich ein Schock!

Als John Lennon starb, war ich noch klein. Ich fand die Tränen meiner Mama etwas albern, ich erinnere mich noch. Als Take That sich trennte, fand ich die Aufregung ebenfalls etwas überzogen. So ging es mir mit Lady Diana auch. Verständnis war da, aber ... So würde ich nie reagieren.

Bis heute Nacht 0 Uhr beim Nachtmagazin auf RTL. Es ginge ihm schlecht. Jenem Mann, der irgendwie immer da war. Dessen Songs mich durch meine Teenieträume und Ideen begleitet haben. Wenn ich traurig war, hörte ich Michael Jackson ('I just can't stop lovin you" machte mich, damals im Heim und 13 Jahre jung, zum Fan seiner Musik). Wenn ich schreiben wollte (ich wollte ja eigentlich Schriftstellerin werden), hörte ich Michael Jackson. Und nach dem Grenzübertritt 1989 bekam ich sein Bad-Album und hörte es rauf und runter (auf Kassette), bis es kaputt war.

Ich erinnere mich an meine Begeisterung über bestimmte Breaks, bestimmte Bässe, die Adlips und die Backings, die ich so grandios fand. Ich erinnere mich an die ersten Jackson-5-Kassetten, die ich bekam und rauf und runter hörte und völlig fasziniert vom Gesangsvermögen eines 8Jährigen war, der Adlips hinzauberte, von denen ich weit entfernt war. 

Er war mein Star auf meinem ersten Konzert: In Bremen 1992, glaube ich (auf jeden Fall war ich in Bremen) und es war die "Dangerous"-Tour, und ich hielt ein Bild meines anderthalbjährigen Sohnes in die Luft und schunkelte begeistert zu "Man in the mirror" & Co.

In den Jahren danach verblasste das, aber immer, wenn ich  "Liberian girl" oder so hörte (auf die Schnulzen stand ich mehr als auf "heal the world") oder zu "Thriller" Zuckungen bekam (ja: Manchmal tanz sogar ich heimlich!), fielen die Träume von damals wieder auf mich herab und begannen neu zu wirken.

Bei Twitter verfolge ich den ganzen Tag über die Kommentare eines geschockten Kirk Franklin, lese überall im Web teils verheuchelte Nachrufe auf einen gebrochenen Mann, der mit gar nichts klar kam und denke, dass heute Nacht eine Legende ging, dessen Musik MICH geprägt hat und mir Hoffnung gab, wo keine war. DAS ist, was zählt als Musiker: Er konnte Herzen erreichen. Und ja:

Ich habe zum ersten Mal geweint um einen Menschen, den ich nicht getroffen habe oder so. Er ist mein musikalischer Held. Er bleibt es. Ich hoffe nur, Gott hat ihn in den Arm genommen und dort seine Neverland Ranch aufgebaut und er hat Engel um sich herum, ohne dass ein Paparazzi gleich daneben sitzt und ihm böse Dinge nach sagt.

Ob die Gerüchte rund um Kindesmissbrauch stimmten, weiß keiner. Ich habe die Lampe nicht gehalten und wage kein Urteil. Für mich war immer seine Musik das, was mir wichtig war. Und DAS ist frei von jeder Schuld: Die Musik ist Magie.

Gott. Ich bin so traurig. Und dankbar, dass du, Michael Jackson, da warst, als ich allein war. Mit deiner Musik. Und deiner eigenen großen Einsamkeit in den unfassbar schönen Songs.

26.6.09 22:45

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