Vivian Glade

Ibrahim, der syrische Christ

Wir haben morgen den Workshop (quasi in 10 Stunden und 20 Minuten) und werden mit JaM und jeweils (hoffentlich) neuen Menschen ganz viel (Gospels) singen. Das wird bestimmt toll. Es ist das erste Chorwochenende des Gospelchores. Damit in 10 Stunden und 17 Minuten die Menschen nicht frieren, mussten wir eben dort hin fahren (Frauke und ich) und haben die Heizungen aufgedreht. An der Haltestelle Richtung Grünhöfe wieder angekommen, beschlossen wir, die Viertelstunde, bis der doofe Bus kommt, noch in den daneben liegenden Damaskus-Imbiss zu gehen, auch weil wir dachten, die Kids freuen sich über einen Dönerteller mit Reis, wenn ich nach Hause komme. Ibrahim gehört der Laden. Ich habe erfahren, dass Ibrahim Lehrer war und aus Syrien stammt und floh - er ist aramäisch-orthodoxer Christ. Als er erfuhr, dass wir mit der Freien Christengemeinde zu tun haben und auch sonst viel kirchlich aktiv sind (wo, ob evangelisch oder katholisch, war ihm egal), strahlte er. Er gehe auch jeden Sonntag in die Kirche, erzählte er weiter, mal zu den Protestanten, mal zu den Katholiken, und nein: ER sei kein griechisch-orthodoxer Christ und feiere wie die Amis am 25.12. Weihnachten, und er spräche die Sprache Jesu - aramäisch eben. Er ließ uns Salat kosten (und ich fand ihn sogar als Salathasser superlecker!), er spendierte Cola und Tee und, weil wir des Dönertellers wegen den Bus verpasst hatten, er ließ trotz Feierabend solange auf, bis wir den nächsten erwischten - eine Stunde später als geplant waren wir endlich zu Hause. Morgen, das haben wir zwei so beschlossen, werden wir Ibrahim mit der gesamten Sängerschar besuchen. Nicht nur, weil wir ja eh in der Mittagspause was zwischen die Kiemen kriegen müssen. Sondern weil wir wohl kaum besser und günstiger woanders essen können. Und dann wird der gute Ibrahim geglad(E)maked - mal gucken, wie genau wir das hinbekommen. Also merken: Hafenstr. / Höhe Leher Tor, Haltestelle stadteinwärts, Damaskus-Imbiss: Fürchterlich netter Mann Ende 40, spricht nicht wirklich gut Deutsch, ist ein unfassbar gastfreundlicher Mensch - und er hat nicht nur Döner, sondern hervorragenden Salat, Currywurst und offene Arme. Und da sieht man es wieder: Der religiöse Flüchtling Ibrahim kann sicher neue Freunde gebrauchen. Wir hingegen haben viel zu lernen. Von Ibrahim wohl, wie es scheint, ne ganze Menge!

16.1.09 23:50

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jess / Website (17.1.09 08:13)
schöööööööön! Hab Gänsehaut gekriegt beim Lesen!


jule / Website (21.1.09 10:33)
und? wie ist es gelaufen? hat er sich gefreut? erzaehl!!