Vivian Glade

Vier starke Frauen

Ich will mich erst einmal bei zweien bedanken, die mir aktuell wirklich unter die Arme griffen, als mir das Wasser Oberkante Unterlippe stand, und zwar meiner Angelika. Angelika hat genug um die Ohren und trotz diverser Tief- und Rückschläge hält sie eisern daran fest, mir helfen zu wollen. Solchen Leuten widme ich den letzten Engelsong. Sie hat nix davon außer Ärger und Stress. Aber so sind Freunde. Da ich in Berlin viel über stille Helden wie eben Oscar Schindler oder Otto Thiel nachgedacht habe, muss das einfach gesagt werden, dass es Angelikas in der Welt gibt, die Freund sind und bleiben, auch wenn man nicht funktioniert, nicht bequem ist (obwohl man es gern wäre) und zu einem halten, selbst wenn alle anderen verschwunden sind. Sie macht mir immer wieder klar, dass ich immer für Menschen wie sie da sein werde, so ich das kann. Dass ich aber auchnoch viel an mir zu arbeiten habe.

Der nächste Dank geht an Frau Janiec. Meine Steuerberaterin. Sie hat mich so kurz vor Ultimo aus dem Schlamassel geholt, mir geholfen, dass ab Dezember endlich sowas wie eine Lebensgrundlage da ist, viel mehr Geduld gezeigt als irgendwer sonst (von Angelika und Romana abgesehen) und ... Ja. Sie hat dem Chor geholfen, dass er gefördert wird. Sie hilft mir in Bezug auf Gläubiger, dabei ist sie ja selbst einer - aber sie zeigt eine Größe, Großmütigkeit und Geduld, wie sie kaum noch in dieser egotrippigen Welt zu finden ist. Frau Janiec ist keine, die fragt, ob man jetzt dankbar ist. Die so eine trockene Tante ist, die außer Zahlen nix im Kopf hat. Im Gegenteil. Eine, die kulturell und künstlerisch Ahnung hat, die das Wort "Soziales Gewissen" nicht nur im Kreuzworträtsel kennt, eine, die mit gestalten möchte und immer noch glaubt, dass man Dinge in der Welt besser machen kann. Und ich weiß, dass sie an mich glaubt. Ich werde meinen Weg gehen, versuchen, diese Welt ein Stück besser zu machen und mich selbst auch etwas weiter zu entwickeln (menschlich in erster Linie). Wer weiß, wenn sie so an mich glaubt, vielleicht schaffe ich das ja, Lichtblicke zu zaubern. Schauen wir mal. Aber sie denkt, wenn sie mir den Rücken freihält (und das tut sie!), hab ich mehr Kopf für anderes. Naja. Wie immer: Sie hat Recht.

Der dritte Dank geht aber nicht an Romana, sondern an ihre Mama. Mit Hilde saß ich gestern sehr, sehr lange bei Weißens in der Küche, und ich erzählte ihr Sachen aus meiner Kindheit, die echt eigentlich vergessen gehören und die ich so auch nicht einfach erzähle, nicht mal Angelika oder Romana, aber nachdem wir über stille Helden geredet hatten, die auch Sinti oder Roma versteckt oder gerettet haben in der Nazizeit, kam halt DDR-Horror hoch, passiert ja mal.
Irgendwann fragte sie mich: "Und du hast nie versucht, die anzuzeigen?"
Nein. Habe ich nicht.
"Aber ich hätte Rache gewollt".
Hm. Nein. Ich nicht. Ich hatte meine Genugtuung, als ich da oben auf der Bühne im ZDF stand und mit einem zweiten Platz nach Hause gehen konnte.
Und dann dachte ich an Angelika und Romana und Frau Janiec und ... Meine Freunde sind auch ein Riesenerfolg, finde ich mal.
"Aber es ist doch dein Recht".
Nein. Ich hab da was gelernt, durch ihre Fragen. Ich habe geantwortet sinngemäß, dass ich nur Ruhe finde, wenn ich das vergeben kann. Und ich dachte heute den ganzen Tag drüber nach. Und ich denke mir, wenn ich immer nur mit Selbstmitleid agiere und Hass, dann vergrößere ich das Böse, das diese Menschen in meiner Kindheit mir (und meiner Mama) angetan habe, ja noch. Das kann es doch nicht sein, oder? Wenn ich aber versuche (nur versuchen...), etwas Positives dagegen zu setzen... Dann habe ich doch eigentlich den Teufelskreis durchbrochen. Oder?
Hilde ist Sintiza, hat selbst viel durchgemacht, ist immer für ihre Familie da und wie viele Sintiza sehr, sehr misstrauisch, aber mit einem immens großen Herz beseelt. Davon ab, dass sie unfassbar gut kocht, habe ich da seit langem mal wieder einen warmen und herzerfrischenden Abend genießen dürfen. Das ist sowieso eine tolle Familie, die Familie Weiß. Aber ihretwegen konnte ich heute andere um Vergebung bitten. Sollte so sein. Gott segne sie.

Der vierte Dank geht an eine Unkaputtbare. Eine, die immer rödelt und immer Auswege findet, die jedem und allen hilft, und trotz ihrer über 60 nie aufhört, positiv zu sein, immer ein Lächeln auf den Lippen hat und der Wurscht ist, ob man Zigeuner, leicht bekloppte Chorleiterin oder Hausfrau ist. Eine, die das Wort "Toleranz" einfach lebt. Auch so eine gute Seele, die nie aufhört, für andere alles zu geben. Renate Laufs. Das ist ein Filou! Du brauchst ne Bettdecke? Mensch, da wohnt doch in der und der Straße diese und jene Frau, die hatte ihr doch erzählt... Und eine Kinderparty will organisiert werden? Kann nicht sein. Das ist doch ein Klacks... Vor allem, wo doch in dieser oder jener Garage noch 50 Wundertüten rumliegen... Vivi arbeitet 80 Stunden die Woche und hat kaum genug zum Leben? Dann schreiben wir eben einen Brief an Leute, die eh zu viel haben... Man kriegt von solchen Menschen gute Laune.

Hilde, Angelika, Frau Janiec und Renate - alle 4 stehen für unterschiedliche Werte.
Großzügigkeit. Großherzigkeit. Wärme. Güte. Und ich gebe ihnen nun die Chance, einen fünften Wert genießen zu dürfen:
Meine Dankbarkeit.

25.11.07 23:05

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Renate Laufs / Website (27.11.07 23:31)
Danke
Für Deine Anerkennung.
Ich kann mit so viel Lob gar nicht so gut umgehen.Ich mache das was ich mache aus dem Herzen,und ich mache es gerne für Menschen die mir etwas Wert sind.Ich mag die Menschen so wie sie sind und nicht so wie ich sie haben will.
Du bist ein Mensch,der etwas Wert ist.Trotz oder gerade wegen Deiner Schwächen,ist es Wert dir zu helfen.Und auch wegen deiner Stärken die du hast.
Eine davon ist nicht aufzugeben.

Renate am 27.11.


Vivian (28.11.07 00:06)
Ja, und Leute wie du machen erst klar, wo man noch Werte entwickeln muss. Das Danke kommt genauso von Herzen wie deine Handlungen, Renate.