Vivian Glade

Zeit für ein Danke

Danke sagen ist wahrscheinlich das, was man am häufigsten vergisst. Ich hab mir gedacht, ich mache mal einen Danke-Blogeintrag an alle Menschen, denen ich irgendwas zu verdanken hab. Nicht zu vergessen, dass es den lieben Gott gibt, dem ich eigentlich mehr schulde als jedem Menschen auf dieser Erde. Also ich liste mal auf und dann ergänze ich immer, wenn mir noch was einfällt...

Wie ich darauf komme? Naja... Es ist so: Heute Abend (07.07.2007) steigt ja ein Dankekonzert, wo ich mich gemeinsam mit den P&P bei den Zuschauern bedanken will für das beispiellose Voten beim Grand Prix. Aber ich feiere auch mein 10jähriges Chorleiterjubiläum. Das würde ich gar nicht feiern (geschweige denn den 2. Platz), wenn es nicht Menschen gäbe, denen ich zu danken hätte.

Also los (und bitte nicht auf die Reihenfolge achten):

Los gehts mit Juli
Von meiner Mutter abgesehen kennt er mich von allen Menschen, denen ich im Alltag begegne, am längsten. Er hat viel mit mir mitgemacht. Er hat mich manchmal echt wahnsinnig gemacht. Und er hat mich noch öfter saustolz gemacht. Aus dem kleinen zappeligen Jungen ist ein angehender Mann geworden, der großzügig, intelligent, witzig, hübsch und liebenswert ohne Ende ist - liebenswert war und ist er aber immer gewesen und er wird es bleiben. Er ist ehrlich, verzeiht und man kann nicht anders als ihm auch alles verzeihen. Unsinn, den er verzapft hat, kann man belächeln, er ist ein supertoller Sohn. Einer, auf den man als Mutter schon echt stolz sein kann. Und er ist ein Freund.

Joey
Meine ersten Worte zu ihr waren "Mein Gott, bist du SCHÖN!" Und das gilt bis heute. Sie ist ne Anstrengende manchmal. Aber vor allem eine supersüße Maus. Meine Tochter schafft es immer wieder, dass ich mich selbst wieder in ihr wiederfinde. Musik fliegt ihr zu, sie ist alles andere als ne Lügentante, sie geht ausgesprochen gut mit Menschen um, sie ist zudem sportlicher als ich und ein Mensch, der wie ich sich von Geschichten, Tönen und Bildern faszinieren lässt. Mit niemandem kann ich so in Cafés gehen, Dokus gucken oder Geschichten verfolgen wie mit ihr. Sie ist mein Sorgenkind, aber sie ist eindeutig auch ein Schnuckelchen. Baby Jo - so hab ich sie am Anfang genannt. Und sie wird immer "Baby Jo" bleiben. Das haben die jüngsten Kinder wohl so an sich.

Oma Aga (sprich: Meine Mutter)
Vieles lief hier schief in meiner Kindheit. Eines aber hatte ich - und damit habe ich anderen richtig was voraus: Ich hatte nämlich eine Mama, die mich lieb hatte. Und das bekam ich zu spüren: Sie hat trotz des Traumas nach ihrer Verhaftung 1982 ihr Bestes versucht. Wann ich auch immer Sorgen oder Kummer hatte, sie hörte zu, wann immer ich weinte, nahm sie mich in den Arm, wann immer ich warme Worte brauchte, bekam ich sie. Wann immer ich inspiriert werden wollte, inspirierte sie mich. Und jetzt, wo sie wirklich krank ist und langsam alt wird, zeigt sich erst ihr wahres Wesen: Gutmütig und großzügig bis zum Letzten. Vielleicht keine gute Mutter. Aber eine LIEBE Mutter. Und mir scheint, das ist das Wertvollste.

Angelika A.
Ich weiß nicht, wie ich ohne dich die letzten drei Jahre überlebt hätte. Ich weiß auch im Leben nicht, durch wen ich soviel gelernt haben könnte wie durch dich - so ganz praktische Dinge. Dass ich überhaupt so mittlerweile mit vielem zurecht komme, hab ich ihr zu verdanken. Kaum ein Mensch hängt sich meinetwegen so rein, kaum ein Mensch hat sich so für mich eingesetzt und stark gemacht. Sie ist echt ne Supercoole - ganz ehrlich!

Günther Hoff
Im Januar habe ich ihn zum ersten Mal seit 19 Jahren wieder gesehen und ich war völlig verdattert, dass er so alt war. Er war knapp 60 beim letzten Mal, mittlerweile geht er auf die 80 zu bzw ist es gerade geworden. Er war der Magdeburger Kirchenmusikdirektor und gleichzeitig Domkantor bzw. Dirigent des Magdeburger Domchores. Der Mann, der es geschafft hat, mich zum völligen Chorfan werden zu lassen. Wie alle kleinen Mädels hab ich ihn bewundert - nur vielleicht etwas anders als andere. Für mich war er der Musikergott. Der, der immer Recht hat. Dem ich NIEMALS widersprochen hätte. Dessen Dirigate mich zwar öfter zum Grübeln brachten, ob vielleicht das eine oder andere anders hätte dirigiert werden können (rein dynamisch gesehen), aber letztlich war ich mit seinen Interpretationen genauso einverstanden wie ich seine Sprüche liebte, wie z.B. "Heiratet nicht auf dem E." Er war immer beruflich Vorbild. Und ich freue mich unheimlich, dass ich ihn wieder gesehen habe. Er wird wohl eines Tages mit Herzinfarkt vom Dirigentenpult kippen. Er dirigiert noch immer große Oratorien. Bei manchen Menschen wünsche ich mir echt, sie wären unsterblich. Ne Welt ohne Günther Hoff... Ganz komisch. Seine Frau hat mir damals Kekse ins Heim geschickt und hat sich so den Kopf gemacht meinetwegen, dass es mich wirklich aufgebaut hat. ich glaube, die haben sehr wohl gespürt, wie allein ich mich gefühlt hab.

Anne Schmeckies
Hier passt der Satz "Sie liebten und sie schlugen sich". Einerseits macht sie mich genauso wahnsinnig wie ich sie. Aber andererseits haben wir es hier mit einem außergewöhnlichen Menschen zu tun, der bei allem Temperament (und holla - das hat sie wirklich!) genauso großzügig wie inspirierend ist. Anne hat immer wohlwollend meinen Weg begleitet, immer den Chor unterstützt - und vor allem mitunter sehr direkt. Sie hat uns zu den Brothers Keepers gebracht. Sie hat mich nach Indien mitgenommen. Sie setzt sich aktiver als die meisten anderen für uns ein. Wir hatten unsere Hänger (weil eben gleich zwei Dickköppe auf einen Haufen nicht so einfach ist), letztlich aber ist es von meiner Seite aus ganz sicher eine Freundschaft, die uns verbindet. Denn wie bei Angelika (auch mit ihr hatte ich meine Hänger) gilt hier: Da ist jemand, der Wort hält und sich von Schwächen nicht abschrecken lässt. Ich schätze sie unheimlich. Ich lerne viel von ihr. Ich unterstütze sie gern. Und weiß (ebenfalls wie bei Angelika), dass sie jemand ist, auf den ich mich stützen kann und dass sie auch dann noch da sein wird, wenn sich alle anderen abwenden

Klaus
Man kennt das ja: Exmänner. Besonders, wenn dann noch Kinder im Spiel sind, wirds heikel. Hier nicht. Er hat viel mit mir mitgemacht. Aber er ist auch trotzdem Freund geblieben. Ich habe ihm nie Steine in den Weg wegen Joey gelegt. Er hat sich Juli, der ja "nur" Stiefsohn ist, vom Verhalten her kein bisschen geändert, er behandelt ihn nach wie vor (trotz der Trennung, die ja von mir kam) wie sein eigenes, leibliches Kind. Davon ab, dass er einer der besten Bassisten ist, die ich kenne (schon weil er ohne große Worte versteht, was ich von ihm will), ist er bei allem Phlegma auch ein cooler Freund. Auch so einer, der auch in Scheißzeiten immer da ist.

Romana
Unterschiedlicher kann man nicht sein. Was sie fasziniert, langweilt mich zu Tode. Was mich interessiert, langweilt sie entsetzlich. Egal. Romana bläst einem die Wahrheit ins Gesicht - egal, ob das aufbaut oder eher nicht. Sie sagt "Arschloch" und meint das auch. Das Gute aber ist dabei, dass sie es einem direkt sagt, statt hinterm Rücken zu labern. Das Beste ist, dass die kleine Sintimaus einer meiner besten Freunde überhaupt ist. Ich weiß genau, dass sie einfach manchmal schonungslos ehrlich ist, aber ichkann damit umgehen. Sie hat mir beigebracht, Streits zu ertragen und durch zu stehen. Sie hat mich streitbar gemacht. Durch sie bin ich ein ganzes Stück mutiger geworden. Nie kann ich ihr länger als 10 Minuten böse sein. Oder sie mir. Egal, wie sehr ich mich mit ihr streite. Sie ist auch nachts um drei noch hier, wenn sie rafft, dass ich durchhänge (was nicht heißt, dass sie mir nicht noch eins drauf haut, weil sie findet, ich lass mich gehen *grins*). Sie kann "NEIN" sagen. Ist unfassbar gutherzig und großzügig. Hat tausend teils sehr witzige Ticks. Und mit ihr wegfahren ist ausgesprochen entspannend. Einfach, weil wir beide da dann doch sehr ähnlich sind. Ich war mit Romana im Alten Museum in Berlin, im Ballett, im Independent-Film, im Theater, im Jazzkonzert. Sie glaubt, sie ist dumm. Ich glaube, sie spinnt. Dumm ist SIE jedenfalls nicht. Aber megacool. Und einer von jenen MEnschen, die ein dickes Danke verdient haben - auf alle Fälle hat sie das!

7.7.07 10:23

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